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Die.Puntigam
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Interview:

Du bist ein „Kind“ der bekannten Leipziger Schule. Warum glaubst du, ist gerade in Berlin, Leipzig und Dresden eine so lebendige Malergeneration entstanden?

Die.Puntigam: Die Aufbruchsstimmung und die wieder entdeckte Freiheit hat viele beflügelt eigene Wege zu gehen. Persönliche Grenzen wurden dabei neu definiert. Die viel zitierte „Ostvergangenheit“ wurde durch die westliche Entwicklungshilfe in Empfang genommen – und eingekauft. Die Leipziger Schule wurde damit zum Label und Etikett. Doch was genau hinter diesem Etikett steckt, ist immer wieder eine Überraschung.

Was macht die Leipziger Schule für dich persönlich aus?

Die.Puntigam: Die Leipziger Schule zeigt uns, dass es viele Möglichkeiten gibt in einem „Ex-sozialistischen“ Stil Situationen und Perspektiven in einen vielschichtigen Interpretationsaustausch zu stellen. Als Betrachter muss ich dabei durch die festgefahrenen Formen und die Starrheit hindurchblicken. Durch diese aktive Auseinandersetzung mit der Bildsprache der Leipziger Schule wird mein Geist immer wieder aufs Neue inspiriert und weckt frische Impulse in mir.

Was steckt hinter dem Käufer-Boom und Hype um die „Art Stars of the Decade?“

Die.Puntigam: Das ist eine reine Marketingstrategie. Das Gewinndenken und der finanzielle Vorteil stehen dabei im Vordergrund und nicht die künstlerische Qualität der Arbeiten. Die Auswahl ist leider in jeder Hinsicht beschränkt und hemmt die Freude an der kreativen Weiterentwicklung, da nur angepasste Kunst mitziehen darf und gefördert wird. Dieser Käufer-Boom hat vor allem Belanglosigkeit hinterlassen.

Hat dieser Rummel um die Stars der Leipziger Schule deinen Zugang zur Kunst verändert?

Die.Puntigam: Nein, mein Zugang ist nach wie vor ein kindlich fordernder und verspielter Ansatz.

Der bekannte Galerist Lybke sagte einmal, schnelle Käufe verderben den Charakter junger Maler? Stimmst du ihm zu? Bist du, was das betrifft, vorsichtig geworden?

Die.Puntigam: Diese Aussage sehe ich sehr kritisch, da auch der Satz „Nur ein verkauftes Bild ist ein gutes Bild“ von ihm stammt. Natürlich können und sollen sich Kunstschaffende auf „Geschäfte“ einlassen, aber eben nicht als vorrangiges Ziel.

Was willst du persönlich mit deinen Bildern oder Bilderzyklen ausdrücken?

Die.Puntigam: Seit meiner Kindheit zeichne, forme und bastle ich und denke mir dazu Geschichten aus. Es ist mir ein großes Bedürfnis die Welt um mich herum in ihren facettenreichen Geheimnissen wahrzunehmen und meine eigene Freude am Sein fließen zu lassen. Ich empfinde Malen nicht als reaktionäre oder out, sondern als kreative Mitteilung mit einem tiefen geheimnisvollem Charakter.

Ist deine Performance aus Malen und Tanz eine erweiterte Form deiner Ausdruckskraft? Worum geht es dir dabei?

Die.Puntigam: Ich möchte die „Ein-Bilde-Kraft“ der Menschen wecken. Sie bringt jeden, der sich darauf einlässt dazu seine eigenen Visionen zu spüren und zu erweitern. Es geht um das bewusste Wahrnehmen neuer Eindrücke und das Loslassen von alten Schemata und Gedanken. Das Zusammenspiel aus Malen und Tanzen steht für einen fließenden lebendigen Prozess ohne Anfang und Ende und ohne gedankliche Vorgaben. Die Menschen sollen und können dabei ihre eigenen Sinne wecken und sich auf ihre persönliche Phantasiereise einlassen.

Kannst du bitte folgende Sätze vollenden:

Mich inspiriert …
das Hier und Jetzt.

Kunst heißt für mich …
Durchatmen.

Im Leben treibt mich …
die Analogie der Gegensätze.

Ich ziehe den Hut vor …
Gene Roddenberry, dem Erfinder von Star Trek, William Gibson, Frank Zappa und David Bowie.

Ich verlasse Situationen, wenn sie …
zu Ausreden werden.

Was mich bei Menschen am meisten beeindruckt ist …
ihr Schatten.

Christina Aumayr, Wien, im Oktober 2006